Erstaunlicherweise ist der heutige Eintrag in Deutsch verfasst. Das liegt schlicht daran, dass wir in dem Seminar, in dessen Rahmen ich dieses e-portfolio gestalte, ein Interview mit Reinhard Donath geführt haben. Um die Sache nicht künstlich zu erschweren, haben wir in unserer Muttersprache kommuniziert. In dem heutigen Eintrag würde ich gerne über dieses Interview und meine weitere Kommunikation mit Herrn Donath berichten. Um durch die Übersetzung ins Englische den Inhalt nicht zu verzerren, wird dieser Blogeintrag auf Deutsch verfasst.
Das Interview im Rahmen des Seminars „Neue Medien im Fremdsprachenunterricht“ fand bereits am 09.02.2010 statt. Hierzu hatte sich die komplette Seminargruppe eine Woche zuvor Fragen überlegt und diese im Blog unserer Dozentin gepostet. Für das Interview wurden dann zwei Sprecher ausgewählt, die diese Fragen dann stellen sollten. Nach Möglichkeit sollte aber jede TeilnehmerIn eine Frage stellen.
Etwa eine Woche nach diesem Interview hatte ich im Rahmen des Seminars „Kritische Erziehungswissenschaft“ eine mündliche Prüfung zum Thema „kritische Medienpädagogik“ mit dem Schwerpunkt „Internet“. In diesem Zusammenhang habe ich Herrn Donath noch ein weiteres Mal kontaktiert, um die Meinung eines Experten einzuholen, der auf ein Menge praktischer Erfahrung zurückgreifen kann. Nachfolgend werde ich daher lediglich einen Teil seiner Antworten zusammenfassen, der sich auf die „kritische Medienpädagogik“ bezieht und nicht auf alle gestellten Fragen eingehen.
Betrachtet man die Medien im Kontext der heutigen Gesellschaft, stellt man schnell fest, dass sie aus dem Leben nicht mehr wegzudenken sind. So spielt auf der einen Seite die Unterhaltung eine große Rolle, aber vor allem auch die Pflege sozialer Kontakte in Netzwerken wie schülerVZ. Technisch gesehen ist die Kompetenz im Umgang mit Medien, vor allem dem Computer, für fast alle Berufe unentbehrlich und aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Schule sollte sich darüber hinaus immer bewusst sein, dass die Medien den SchülerInnen eine Parallelwelt bieten, die in ihrem Leben fest integriert ist. Dies darf nicht einfach ausgeblendet werden. Medien und der Umgang mit ihnen sollte vielmehr als pädagogische und didaktische Herausforderung gesehen werden, die es anzupacken gilt.
Von diesem Standpunkt gesehen, hat die Medienpädagogik zwei Probleme, die überwunden werden müssen:
1. Viele selbsternannte Experten äußern sich zu diesem Thema, ohne wirklich Ahnung davon zu haben.
2. Lange Zeit hat die Medienpädagogik nur auf die negativen Aspekte und die Gefahren des Internets hingewiesen, ohne auch die positiven Seiten wahrzunehmen.
Die unter 2. genannten positiven Aspekte und Chancen sind z.B. die Individualisierung des Lernens, die Autonomisierung von Lernprozessen und die Nutzung des WWW in konstruktiv gestalteten Lernarrangements.
Die Medienpädagogik sollte daher beide Aspekte im Fokus haben, also sowohl die konstruktiv-positiven als auch die destruktiv-negativen. Dabei sollte vor allem den Verteidigern der Bücher klar sein, dass auch diese Medien ambivalent sind: es gibt gute und schlechte Bücher, genauso wie es gute und schlechte Fernsehprogramme gibt und das Internet ist sowohl Porno- als auch pädagogisches Medium. Daher sieht Reinhard Donath die Aufgabe der Medienpädagogik in erster Linie darin, selbst eine skeptische Distanz zu neuen Medien zu wahren und diese auch zu vermitteln.
Erste Vorschläge für die schulische Umsetzung kamen bemerkenswerter Weise auch nicht von medien- sondern von allgemein pädagogischer Seite. Heute gibt es allerdings schon einige praktische Hilfestellungen für LehrerInnen die dieses Thema in der Schule behandeln möchten, wie z.B. den Medienbrief der Medienzentren der Bundesländer. Herr Donath selbst behandelt in seinem Unterricht u.a. die Themenbereiche „Privates in sozialen Netzwerken“, Copyright-Probleme und Cybbermobbing.
E-learning hält er allerdings für keine gute Methode und würde diese auch nicht anwenden. Es sei besser, direkt zu unterrichten, um Präsenzlernen zu ermöglichen. Generell sollte elektronische Kommunikation nicht künstlich sein und im Unterricht besser von einer direkten Kommunikation Gebrauch gemacht werden. Dies bedeutet auch, dass er auf Dienste wie twitter oder Chatten im Unterricht verzichtet.
Wichtig ist, dass er im Einsatz von Medien im Unterricht nicht das Ende des Schulbuches sieht. Neue Medien sollten das Schulbuch sinnvoll ergänzen, wenn durch sie z.B. Inhalte klarer dargestellt werden können. Daraus resultiert, dass die Arbeit mit Medien nicht um der Medien Willen geschehen soll, sondern um den Fachunterricht sinnvoll zu bereichern.